Bewirtungskosten absetzen 2026: 70-Prozent-Regel, Beleg und Vorsteuer für Selbstständige

Fastlancer Team · Aktualisiert: 28. Okt. 2026

Bewirtungskosten absetzen 2026

Beim Geschäftsessen entscheidet nicht der Betrag, sondern der Beleg. Stimmt er, sind 70 Prozent der Kosten Betriebsausgabe und die Vorsteuer kommt voll zurück. Fehlt eine Angabe, ist oft der ganze Abzug weg.

* Steuerlicher Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Bei Entscheidungen mit größerer finanzieller Tragweite hilft eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater.

Das Wichtigste in Kürze

Kunden, Geschäftspartner70 % Betriebsausgabe, Vorsteuer zu 100 %
Eigene Mitarbeiter100 % Betriebsausgabe
Kaffee, Tee, GebäckAufmerksamkeit, 100 %, kein Bewirtungsbeleg nötig
BelegMaschinell mit TSE, Posten einzeln, Eigenbeleg mit Anlass, Teilnehmern, Unterschrift
Kleinunternehmer70 % vom Bruttobetrag, keine Vorsteuer

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Die 70-Prozent-Regel: was voll und was nur teilweise zählt

§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG lässt bei einer Bewirtung aus geschäftlichem Anlass nur 70 Prozent der angemessenen Kosten zum Abzug zu. Geschäftlich heißt: Kunden, Geschäftspartner, Interessenten. Wer nur eigene Mitarbeiter bewirtet, fällt nicht darunter.

Die Vorsteuer ist von der Kürzung ausgenommen (§ 15 Abs. 1a UStG), aber nur bei nachgewiesenen Kosten.

SituationBetriebsausgabeVorsteuerNachweis
Essen mit Kunden oder Geschäftspartnern70 %100 %Rechnung plus Eigenbeleg
Team-Essen, Weihnachtsfeier nur mit eigenen Mitarbeitern100 %100 %normale Rechnung
Kaffee, Tee, Gebäck in der Besprechung100 %100 %normale Rechnung
Belegte Brötchen, Kuchen, Catering für Kunden70 %100 %Rechnung plus Eigenbeleg
Kunden-Meeting im Home-Office mit Essen70 %mit Rechnung des LieferantenEigenbeleg mit Ort, Tag, Teilnehmern, Anlass, Höhe
Essen mit Familie oder Freunden0 %––
Eigenes Mittagessen allein0 %––

Kleinunternehmer ziehen keine Vorsteuer, setzen aber 70 Prozent des Bruttobetrags an. Wann sich der Wechsel lohnt, steht im Guide Regelbesteuerung für Freelancer 2026.

Geschäftliches Mittagessen: zwei Personen besprechen ein Projekt im Restaurant
Das klassische Kunden-Essen: 70 Prozent Betriebsausgabe, wenn der Beleg stimmt – pexels.com

Pflichtangaben auf dem Bewirtungsbeleg

Der Nachweis besteht aus zwei Teilen: der Rechnung des Lokals und deinem Eigenbeleg.

Rechnung bis 250 Euro (Kleinbetragsrechnung):

  • Name und Anschrift des Lokals
  • Ausstellungsdatum und Tag der Bewirtung (ein Datumsstempel oder handschriftlicher Zusatz reicht nicht)
  • Jeder Posten einzeln; „Speisen und Getränke” mit Gesamtsumme reicht nicht, „Menü 1” oder „Lunch-Buffet” schon
  • Rechnungsbetrag mit Steuersatz

Rechnung über 250 Euro zusätzlich:

  • Dein Name als Leistungsempfänger
  • Steuernummer oder USt-IdNr. des Lokals
  • Fortlaufende Rechnungsnummer

Eigenbeleg (auf der Rechnung oder als eigenes Blatt):

  • Konkreter Anlass mit Geschäftsbezug, zum Beispiel „Projekt-Kickoff Website-Relaunch mit Müller GmbH”
  • Alle Teilnehmer mit Namen, auch du selbst
  • Deine Unterschrift, zeitnah nach dem Essen

Die Regeln stehen in BMF-Schreiben vom 19. November 2025, das für Bewirtungen ab 2025 gilt.

Zwei Frauen prüfen gemeinsam die Rechnung am Restauranttisch
Die Rechnung am Tisch prüfen: Fehlt etwas, lässt es sich jetzt noch korrigieren – pexels.com

Kassenbeleg mit TSE und digitale Bewirtungsbelege

TSE: Hat das Lokal eine elektronische Kasse, zählt nur ein Beleg mit TSE-Absicherung. Erkennbar ist er an Transaktionsnummer, Seriennummer der Kasse oder des Sicherheitsmoduls, oft als QR-Code. Handschriftliche Quittungen fallen ganz raus.

TSE-Ausfall: Ist der Ausfall auf dem Beleg erkennbar, etwa an der fehlenden Transaktionsnummer, bleibt der Abzug grundsätzlich möglich.

Digital: Rechnung als E-Rechnung oder PDF ist erlaubt, eine Papierrechnung darfst du scannen. Den Eigenbeleg unterschreibst oder genehmigst du dann elektronisch, und er muss eindeutig mit der Rechnung verknüpft sein. Ein bloßes Handyfoto ohne diese Verknüpfung reicht nicht.

Rechenbeispiel: 70 Prozent Betriebsausgabe, 100 Prozent Vorsteuer

Mittagessen mit einem Kunden. Seit 2026 gilt für Speisen im Restaurant der ermäßigte Steuersatz (§ 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG), für Getränke der volle.

PostenBetrag
Speisen netto (7 % USt: 5,60 €)80,00 €
Getränke netto (19 % USt: 3,80 €)20,00 €
Rechnung brutto109,40 €
Betriebsausgabe (70 % von netto)70,00 €
Nicht abziehbar (30 %)30,00 €
Vorsteuer (100 %)9,40 €
Steuerersparnis bei 30 % Grenzsteuersatz21,00 €
Echte Belastung79,00 €
Kleinunternehmer: Betriebsausgabe (70 % von brutto)76,58 €

Häufige Fehler

  • Kassenzettel ohne TSE: Handschriftliche Quittungen oder Belege ohne TSE-Angaben streicht das Finanzamt komplett.
  • Vager Anlass: „Geschäftsessen” oder „Besprechung” reicht nicht. Besser: „Quartals-Review mit Kunde XY”.
  • Teilnehmer fehlen: Alle Namen gehören auf den Eigenbeleg, auch deiner.
  • Trinkgeld ohne Nachweis: Auf der Rechnung ausweisen oder von der Bedienung quittieren lassen.
  • Vorsteuer gekürzt: Nur die Betriebsausgabe ist auf 70 Prozent begrenzt, die Vorsteuer nicht. Buchhaltungssoftware wie Lexware Office oder sevdesk trennt das automatisch.
  • Home-Office ohne Eigenbeleg: Ohne Restaurantrechnung musst du Ort, Tag, Teilnehmer, Anlass und Höhe selbst festhalten und die Einkaufsbelege beilegen.
Hand hält einen Kassenbeleg zur Kontrolle der Einzelposten
Einzelposten, TSE-Angaben, Trinkgeld: Am Beleg entscheidet sich der Abzug – pexels.com

Fazit

70 Prozent Betriebsausgabe, 100 Prozent Vorsteuer: Das gilt nur mit TSE-Rechnung und einem Eigenbeleg mit konkretem Anlass, allen Namen und Unterschrift. Füll ihn am Tisch aus, nicht Wochen später.

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Häufige Fragen

Wie viel von den Bewirtungskosten kann ich als Selbstständiger absetzen?

Bei Kunden, Geschäftspartnern und Interessenten 70 Prozent des Nettobetrags als Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG), die Vorsteuer aber zu 100 Prozent. Bewirtest du nur eigene Mitarbeiter, sind die Kosten voll abziehbar.

Was muss auf einem Bewirtungsbeleg stehen?

Die maschinelle Rechnung nennt Lokal mit Anschrift, Datum, Tag der Bewirtung, jeden Posten einzeln und den Betrag, bei Registrierkassen auch die TSE-Angaben; über 250 Euro zusätzlich dich als Empfänger, Steuernummer und Rechnungsnummer. Auf dem Eigenbeleg stehen Anlass, alle Teilnehmer mit Namen und deine Unterschrift.

Sind Trinkgelder bei der Bewirtung absetzbar?

Ja, zu 70 Prozent wie die übrige Bewirtung, wenn du sie nachweist: am besten auf der Rechnung ausgewiesen oder von der Bedienung quittiert. Umsatzsteuer steckt im Trinkgeld nicht, Vorsteuer gibt es dafür also keine.

Kann ich Bewirtung im eigenen Büro oder Home-Office absetzen?

Ja, auch dort gilt die 70-Prozent-Regel, weil sie am Anlass hängt und nicht am Ort. Statt der Restaurantrechnung belegst du selbst Ort, Tag, Teilnehmer, Anlass und Höhe und legst die Einkaufsbelege bei.

Was unterscheidet Bewirtung von Aufmerksamkeiten?

Kaffee, Tee und etwas Gebäck in einer Besprechung gelten als Aufmerksamkeit und sind voll abziehbar, ohne Bewirtungsbeleg. Belegte Brötchen, Kuchen oder ein Catering sind bereits Bewirtung und fallen unter die 70-Prozent-Regel.

Was passiert, wenn der Bewirtungsbeleg unvollständig ist?

Dann streicht das Finanzamt in der Regel den gesamten Betriebsausgabenabzug, und mit dem Nachweis fällt auch der Vorsteuerabzug (§ 15 Abs. 1a UStG). Handschriftliche oder ohne TSE erstellte Kassenbelege werden gar nicht anerkannt.