Stundensatz als Freelancer berechnen: So geht's (2026)
· Aktualisiert: 10. Juni 2026
Der Stundensatz ist die wichtigste Zahl im Freelancer-Leben — und die mit Abstand am häufigsten falsch berechnete. Wir haben über die Jahre mit hunderten Selbstständigen gesprochen, eigene Stundensätze mehrfach korrigiert und das Pricing-Kapitel in unserem Buch Greenprint dazu geschrieben. Die ehrliche Quintessenz: rund 80 % aller Solo-Freelancer kalkulieren ihren Stundensatz strukturell zu niedrig. Nicht weil sie sich „nicht trauen" — sondern weil die Rechnung mit den falschen Variablen läuft.
Dieser Guide ist die saubere Variante: Formel Schritt für Schritt, drei durchgerechnete Praxis-Beispiele, typische Fehler und ein direkter Sprung zum kostenlosen Stundensatz-Rechner für deine eigenen Zahlen.
TL;DR — Die Kurzformel
Wichtig: nicht
÷ 1.760 Brutto-Stunden, sondern ÷ 800–1.200 fakturierbare Stunden — das ist der typische Knackpunkt.
Stundensatz-Rechner — mit deinen eigenen Zahlen
Trage Wunsch-Einkommen, Ausgaben und realistische Arbeitstage ein — wir rechnen Steuer, Rücklage und fakturierbare Stunden automatisch.
Zum Rechner →Die Formel — Schritt für Schritt
Der Stundensatz ist im Kern eine sehr einfache Rechnung: alles, was im Jahr reinkommen muss, geteilt durch alles, was du im Jahr abrechnen kannst. Die Tücke steckt in beiden Hälften.
1. Wunsch-Netto-Einkommen
Was willst du am Ende des Jahres als Netto-Einkommen (nach Steuern und Sozialversicherung) haben? Dieser Punkt ist der ehrlichste Realitätscheck im Pricing. Lebst du in München mit Kindern? Eher 4.500–5.500 € netto/Monat. Soloselbstständig in Leipzig mit niedrigen Fixkosten? 2.500–3.500 € reichen rein finanziell. Schreib auf, was du tatsächlich brauchst — nicht, was sich „nett" anhört.
2. Plus Steuern & Sozialversicherung
Vom Brutto-Honorar gehen über das Jahr ca. 30–40 % für Einkommensteuer (und ggf. Gewerbesteuer), Krankenversicherung, Renten-/Altersvorsorge und ggf. Künstlersozialkasse weg. Bei Soloselbstständigen ohne Sozialversicherungspflicht (z. B. private Krankenkasse + private Altersvorsorge selbstgewählt) kann der Anteil höher ausfallen. Konkrete Sätze hängen vom Einzelfall ab — Steuerberater fragen.
3. Plus Betriebsausgaben
Alles, was du als Freelancer monatlich zahlst, um arbeiten zu können — und was du oft unterschätzt. Eine ehrliche Liste:
Software-Abos: Buchhaltung, Projektmanagement, Design-Suite, CRM, KI-Tools — schnell 100–250 €/Monat.
Büro oder Coworking: Coworking-Hotdesk 150–250 €/Monat, eigener Schreibtisch 250–400 €.
Versicherungen: Berufshaftpflicht (40–150 €/Mo. je nach Branche), ggf. Rechtsschutz, Betriebsinhalts.
Weiterbildung: Kurse, Konferenzen, Bücher — über das Jahr realistisch 600–1.500 €.
Hardware-Rücklage: Laptop ersetzt sich nicht von selbst — 1.500–2.500 € alle 3 Jahre = 50–70 €/Monat.
Steuerberatung: 600–1.800 € pro Jahr für Buchhaltungs-Begleitung + EÜR.
Summe ehrlicher Betriebsausgaben für eine Solo-Selbstständige: typischerweise 800–1.500 € pro Monat. Wer „nur 50 € Software-Abos" rechnet, hat etwas vergessen.
4. Plus Rücklagen für Krankheit, Urlaub und Auftragsflauten
Als Angestellter bekommst du Lohn, wenn du krank bist oder Urlaub hast. Als Freelancer nicht. Diese „Ausfall-Wochen" muss dein Stundensatz mitfinanzieren. Größenordnung:
Urlaub: 4–6 Wochen pro Jahr. Während dieser Zeit kein Honorar.
Krankheit: Realistisch 1–2 Wochen Puffer pro Jahr.
Auftragsflauten: 2–4 Wochen pro Jahr ohne Projekt sind keine Ausnahme.
Wir rechnen Krankheit und Urlaub nicht als separaten Posten in den Stundensatz, sondern reduzieren stattdessen die abrechenbaren Stunden (siehe nächster Abschnitt). Ergebnis ist mathematisch dasselbe und intuitiver.
5. Geteilt durch abrechenbare Stunden — nicht Arbeitsstunden
Das ist der häufigste Fehler. Die naive Rechnung: 220 Arbeitstage × 8 Stunden = 1.760 Stunden pro Jahr. Falsch — das sind Brutto-Arbeitsstunden. Davon entfällt ein erheblicher Anteil auf Akquise (Angebote schreiben, Kunden anbahnen, Netzwerk pflegen), Admin und Buchhaltung, Weiterbildung, E-Mails und Calls, Tool-Setup und ganz normale Pausen. Realistisch sind das 30–50 % der Brutto-Stunden, die nicht direkt fakturierbar sind.
Was sind realistisch abrechenbare Stunden?
Konkret und ehrlich gerechnet:
365 Tage − 104 Wochenenden − 30 Tage Urlaub − 10 Tage Krankheit/Puffer = ~221 Arbeitstage
221 Tage × 8 Stunden = 1.768 Brutto-Stunden pro Jahr
Davon ab: 30–50 % nicht-fakturierbar (Akquise + Admin + Lernen + Pausen + Kommunikation) = ~880–1.240 abrechenbare Stunden pro Jahr
Wer mit 1.500 oder 1.700 fakturierbaren Stunden rechnet, plant strukturell ein, dass jede Arbeitsstunde abrechenbar wird. In der Praxis funktioniert das selten — und führt am Jahresende zu einer Rechnung, in der du gefühlt 60 Stunden pro Woche gearbeitet hast, aber nur 35 davon Geld eingebracht haben.
Drei Praxis-Beispiele
Drei typische Profile, sauber durchgerechnet. Die Zahlen sind Größenordnungen, keine Steuerberatung — der Punkt ist die Logik.
Beispiel 1: Einsteiger-Designerin (35.000 € Netto-Ziel)
| Wunsch-Netto | 35.000 € |
| + Steuern & Sozialversicherung (~35 %) | 18.846 € |
| + Betriebsausgaben (10.800 € / Jahr) | 10.800 € |
| = Benötigtes Brutto-Honorar | 64.646 € |
| ÷ abrechenbare Stunden (900) | |
| Stundensatz | ~72 €/h |
Realistisch für Designerinnen mit 1–3 Jahren Erfahrung. Wer mit 1.500 Stunden statt 900 rechnen würde, käme rein rechnerisch auf 43 €/h — und würde jeden Monat die Frage „warum ist nichts übrig?" stellen.
Beispiel 2: Senior Developer (70.000 € Netto-Ziel)
| Wunsch-Netto | 70.000 € |
| + Steuern & Sozialversicherung (~38 %) | 42.903 € |
| + Betriebsausgaben (15.000 € / Jahr) | 15.000 € |
| = Benötigtes Brutto-Honorar | 127.903 € |
| ÷ abrechenbare Stunden (1.100) | |
| Stundensatz | ~116 €/h |
Bei IT-Senior-Profil meist als Tagessatz aufgerufen — ca. 800–870 €/Tag. Im Bundesschnitt für IT-Freelancer (95 €/h laut Freelancer-Kompass 2025) liegt das im erfahrenen Drittel.
Beispiel 3: Beraterin mit hohen Betriebsausgaben (90.000 € Netto-Ziel)
| Wunsch-Netto | 90.000 € |
| + Steuern & Sozialversicherung (~40 %) | 60.000 € |
| + Betriebsausgaben (25.000 € / Jahr) | 25.000 € |
| = Benötigtes Brutto-Honorar | 175.000 € |
| ÷ abrechenbare Stunden (1.000) | |
| Stundensatz | ~175 €/h |
Hohe Betriebsausgaben kommen typisch bei Beratern aus Reisekosten, Konferenzen, Premium-Tools, Büro und teurer Berufshaftpflicht. Beratung & Management liegt laut Freelancer-Kompass 2025 im Schnitt bei 120 €/h — Senior-Profile darüber. Tagessatz bei diesem Stundensatz: ca. 1.200–1.350 €/Tag.
Eigenen Stundensatz berechnen
Trage Wunsch-Netto, deine Betriebsausgaben und realistische Arbeitstage ein — Steuer und fakturierbare Stunden rechnen wir automatisch.
Zum Stundensatz-Rechner →Typische Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation
„Wie hoch war mein Brutto-Stundenlohn als Angestellter?" als Ausgangspunkt nehmen. Falsch. Angestelltes Brutto enthält Arbeitgeber-Anteile der Sozialversicherung nicht, und Urlaub/Krankheit sind bezahlt. Als Freelancer fehlt das beides — der gleiche Lebensstandard braucht mindestens 1,5× bis 2× den Angestellten-Stundenlohn.
Akquise- und Admin-Zeit nicht einpreisen. Wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, davon aber 15 für Angebote, E-Mails, Buchhaltung und Lernen — und nur die 25 verbleibenden in den Stundensatz dividiert — rechnet automatisch zu niedrig.
Keine Rücklagen für Krankheit, Urlaub und Flauten. Wer mit 1.700 Stunden rechnet, kalkuliert implizit, dass es weder Krankheit noch Auftragslücken gibt. Klingt streng — passiert aber im ersten Quartal nach der Gründung praktisch jedem.
Steuern und Sozialversicherung unterschätzen. 30–40 % gehen realistisch weg. Wer mit „ich pack noch 20 % drauf" arbeitet, hat am Jahresende eine Nachzahlung.
Marktvergleich ohne Kontext. „Der Konkurrent verlangt 80 €/h, ich nehme auch 80" ignoriert, ob deine Kostenstruktur identisch ist (oft nicht) und ob der Konkurrent gerade selbst gut rechnet (oft nicht). Marktwerte sind Orientierung, nicht Vorgabe.
Verwechslung Stundensatz ↔ Tagessatz. Wer im IT-Markt mit Tagessätzen arbeitet, sollte nicht den Stundensatz × 8 als Tagessatz aufrufen — üblich sind 6× bis 7,5× als impliziter Volumen-Rabatt. Umgekehrt: Wer im Marketing einen Tagessatz hat und stundengenau abrechnen soll, sollte den Stundensatz höher ansetzen als Tagessatz ÷ 8.
Stundensatz-Benchmarks für Deutschland (2025)
Als Orientierungspunkt — nicht als Zielvorgabe — die aktuellsten Bandbreiten aus dem Freelancer-Kompass 2025 (freelancermap.de, N = 3.210 Selbstständige, Erhebung Januar/Februar 2025):
Alle Freelancer im Durchschnitt: 104 €/Stunde
IT-Freelancer: 95 €/Stunde im Schnitt — Senior-Profile deutlich darüber, Einsteiger darunter
Beratung & Management: 120 €/Stunde — Spitzenwert nach Fachgebieten
SAP: 117 €/Stunde
Wichtig zur Einordnung: das sind Durchschnitte aus einer Studie, die überproportional IT- und Tech-Freelancer abbildet. Für Kreativ- und Marketing-Berufe sind die typischen Stundensätze deutlich niedriger (Designer-Einsteiger oft 35–55 €/h, Senior-Texter 70–95 €/h). Quelle: freelancermap.de Marktstudie (Stand: 2025).
Fazit: vom Lesen ins Rechnen
Stundensatz richtig kalkulieren ist keine Magie, sondern saubere Buchhaltung. Drei Dinge merken: Erstens, Wunsch-Netto + alle Kosten + Rücklagen, nicht nur „was möchte ich verdienen". Zweitens, durch abrechenbare Stunden teilen (800–1.200 pro Jahr, nicht 1.700). Drittens, Marktwerte als Orientierung nehmen, nicht als Decken.
Der Stundensatz-Rechner unten macht die Mathematik in 60 Sekunden — mit deinen eigenen Zahlen. Wer tiefer in die Pricing-Strategie einsteigen will (Stundensatz vs. Wertpreis, Verhandlung, Markt-Positionierung), findet das ausführlich im Kapitel „Pricing" unseres Buchs Greenprint.
Nächster SchrittJetzt deinen Stundensatz berechnen
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Zum Stundensatz-Rechner →Weiterführend
Pricing hängt direkt mit Cashflow zusammen — wer Stundensatz richtig hat, braucht eine saubere Buchhaltung: beste Buchhaltungssoftware für Freelancer.
Für Steuer-Rücklagen ist ein eigenes Konto ein Game-Changer: bestes Geschäftskonto im Vergleich — mit Hinweis auf Unterkonten-Logik.
Rechnung schreiben, sobald der Stundensatz steht: beste Rechnungssoftware für Freelancer.
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Häufige Fragen
Wie berechnet man als Freelancer den Stundensatz?
Die Kurzformel: (Wunsch-Netto-Einkommen + Steuern & Sozialversicherung + Betriebsausgaben + Rücklagen) / abrechenbare Stunden pro Jahr. Wichtig: nicht Arbeitsstunden teilen, sondern nur die fakturierbaren Stunden — Akquise, Admin, Pausen, Urlaub und Krankheit zählen nicht dazu. Realistisch landen die meisten Solo-Freelancer bei 800–1.200 abrechenbaren Stunden pro Jahr, nicht bei den oft gerechneten 1.600–1.800.
Welcher Stundensatz ist für Freelancer angemessen?
Das hängt stark von Branche, Erfahrung und Region ab. Als Orientierung der Freelancer-Kompass 2025 (N = 3.210 Selbstständige, freelancermap.de): durchschnittlicher Stundensatz aller befragten Freelancer 104 €/Stunde, IT-Freelancer 95 €/Stunde im Schnitt, Beratung & Management 120 €/Stunde, SAP 117 €/Stunde. Diese Werte sind Durchschnitte — Einsteiger liegen meist deutlich darunter, erfahrene Senior-Freelancer deutlich darüber. Wichtig: ein „marktüblicher” Stundensatz, der deine Kosten und Rücklagen nicht deckt, ist trotzdem zu niedrig.
Wie viele bezahlbare Stunden pro Jahr sind realistisch?
Realistisch sind 800–1.200 fakturierbare Stunden pro Jahr für Solo-Freelancer (40 % bis 60 % der Brutto-Arbeitsstunden). Gerechnet wird ungefähr so: 365 Tage − ca. 30 Tage Urlaub − ca. 10 Tage Krankheit/Puffer − ca. 104 Wochenenden = rund 220 Arbeitstage. Bei 8 Stunden pro Tag wären das 1.760 Brutto-Stunden — davon entfallen jedoch 30–50 % auf Akquise, Admin, Buchhaltung, E-Mails, Lernen, Pausen. Wer mit 1.600+ abrechenbaren Stunden rechnet, kalkuliert den Stundensatz strukturell zu niedrig.
Was ist der Unterschied zwischen Stundensatz und Tagessatz?
Der Stundensatz ist die Abrechnungseinheit pro Arbeitsstunde — typisch in Marketing, Content, Design und kleineren Aufträgen. Der Tagessatz rechnet pro 8-Stunden-Arbeitstag und ist üblich in der IT, Beratung und bei Enterprise-Kunden. Umrechnung ist nicht ganz linear: Tagessätze enthalten meist einen kleinen Volumen-Rabatt gegenüber dem reinen Stundensatz × 8 — typisch zwischen 6× und 7,5× Stundensatz. Wer einen Stundensatz von 100 € hat, ruft also je nach Markt 600–750 € Tagessatz auf.
Muss ich Steuern und Sozialabgaben einrechnen?
Ja — sonst rechnest du strukturell zu niedrig. Faustregel als Größenordnung: 30–40 % deines Brutto-Honorars gehen über das Jahr für Steuern (Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer, USt ist Durchlaufposten) und Sozialversicherung (Kranken-, Renten- und ggf. Künstlersozialkasse) weg. Bei Soloselbstständigen ohne Sozialversicherungspflicht (z. B. Selbstzahler) kann der Anteil deutlich höher liegen — Krankenkasse + Altersvorsorge zahlst du komplett selbst. Konkrete Sätze hängen vom Einzelfall ab — bitte mit Steuerberater abstimmen, das hier ist keine Steuerberatung.