Digitale Produkte verkaufen: Plattformen, Gebühren und Umsatzsteuer

Fastlancer Team · Aktualisiert: 28. Okt. 2026

Digitale Produkte verkaufen

Ein digitales Produkt baust du einmal und verkaufst es beliebig oft, aber an der Plattform verlieren viele mehr Geld als nötig. Jeder Anbieter wirbt mit einer Prozentzahl, und die niedrigsten sind ausgerechnet die, bei denen Kartengebühr oder Steuerübernahme extra kosten. Dieser Leitfaden rechnet drei typische Fälle mit allen Zuschlägen durch und zeigt, ab wann sich ein Monatstarif lohnt.

Die neun Plattformen auf einen Blick

Die wichtigste Spalte ist die Umsatzsteuer, denn sie entscheidet, ob du einen Steuerfall bekommst oder nur eine Auszahlung.

AnbieterGebühr je VerkaufGrundpreisUmsatzsteuer
Gumroad10 % + 0,50 $, dazu Kartengebühr 2,9 % + 0,30 $keinerübernimmt der Anbieter
Lemon Squeezy5 % + 0,50 $, außerhalb der USA plus 1,5 %keinerübernimmt der Anbieter
PolarStarter 5 % + 0,50 $ · Pro 3,8 % + 0,40 $, Karten außerhalb der USA plus 1,5 %Starter keiner · Pro 20 $/Mon.übernimmt der Anbieter
Paddle5 % + 0,50 $, alles inklusivekeinerübernimmt der Anbieter
Digistore247,9 % + 1 € auf den Preisanteil bis 400 €, darüber 4,9 %keinerübernimmt der Anbieter
Ablefy2,7 % + 0,50 € · mit Reseller zusätzlich 2,5 % + 1,00 €27 €/Mon., 14 Tage Testnur mit Reseller-Zusatz
PayhipFree 5 % · Plus 2 % · Pro 0 %, dazu Stripe oder PayPalFree keiner · Plus 29 $ · Pro 99 $übernimmt Payhip für digitale Produkte in EU und UK
PodiaMover 5 % · Shaker 0 %, dazu Stripe oder PayPalMover 42 $ · Shaker 84 $ bei Jahreszahlung, 14 Tage Testmachst du selbst
ThriveCartGebühren deines Zahlungsanbieters (Stripe, PayPal)Standard 47 $/Mon., 37 $ bei Jahreszahlung, 30 Tage Testmachst du selbst

Gerechnet ist der Fall „Käufer in der EU mit Privatkarte“, Dollarbeträge zählen nominal wie Euro. Bei Payhip und Podia ist die Stripe-Gebühr für deutsche Konten eingerechnet, die bei Firmenkarten höher liegt.

Was bei 1.450 € und bei 19.900 € Umsatz an Gebühren anfällt

50 Vorlagen zu 29 € im Monat

AnbieterKosten im MonatAnteilSteuer inklusive
Ablefy Sell (ohne Reseller)91,15 €6,3 %nein
Payhip Plus92,25 €6,4 %ja
Paddle (nur Software)97,50 €6,7 %ja
Payhip Free106,75 €7,4 %ja
Polar Pro116,85 €8,1 %ja
Podia Shaker118,25 €8,2 %nein
Polar Starter119,25 €8,2 %ja
Lemon Squeezy119,25 €8,2 %ja
Digistore24164,55 €11,3 %ja
Ablefy Sell (mit Reseller)177,40 €12,2 %ja
Gumroad227,05 €15,7 %ja

Ablefy ist hier zugleich der günstigste und der zweitteuerste Anbieter, je nachdem, ob das Reseller-Modell dazugebucht ist. Mit Steuerübernahme für Kunden in der EU liegt Payhip Plus vorn, während Gumroad mit der extra berechneten Kartengebühr fast das Doppelte von Polar Pro kostet.

100 Kursplätze zu 199 € im Monat

AnbieterKosten im MonatAnteilSteuer inklusive
Podia Shaker407,50 €2,0 %nein
Payhip Pro422,50 €2,1 %ja
Ablefy Sell (ohne Reseller)614,30 €3,1 %nein
Paddle (nur Software)1.045,00 €5,3 %ja
Polar Pro1.114,70 €5,6 %ja
Ablefy Sell (mit Reseller)1.211,80 €6,1 %ja
Payhip Free1.318,50 €6,6 %ja
Lemon Squeezy1.343,50 €6,8 %ja
Digistore241.672,10 €8,4 %ja
Gumroad2.647,10 €13,3 %ja

Bei teuren Produkten gewinnen die Monatstarife ohne Umsatzbeteiligung wie Payhip Pro, weil der feste Betrag je Verkauf kaum noch ins Gewicht fällt und der Prozentsatz entscheidet.

20 Beratungen zu 150 € im Monat

WegKosten im MonatAnteil
Stripe direkt (EWR-Karten, privat bis Firmenkarte)50 – 89 €1,7 – 3,0 %
Lemon Squeezy205 €6,8 %
Gumroad403 €13,4 %

Für Dienstleistungen ist Stripe direkt plus ein Terminwerkzeug der günstigste Weg, weil Beratung an Firmen in der EU unter das Reverse-Charge-Verfahren fällt und du keine fremde Umsatzsteuer schuldest.

Ab wann sich ein Monatstarif lohnt

Wechsellohnt sich ab Monatsumsatz
Polar Starter oder Lemon Squeezy zu Polar Prorund 1.300 € (bei Produkten um 29 €)
Payhip Free zu Payhip Plusrund 970 €
Payhip Plus zu Payhip Prorund 3.500 €

Drei Fälle, dieselben drei Rechnungen

FallAusgangslageWahlWarum
Sarah, Vorlagen zu 29 €Käufer in ganz Europa, Thema Umsatzsteuer soll wegPayhip PlusEU-Steuer übernimmt Payhip als Reseller, zum niedrigsten Satz; Gumroad kostet mehr als das Doppelte
Mark, Kurs zu 199 €Steuerberater will deutsche RechnungenAblefy mit ResellerDeutscher Vertragspartner stellt die Rechnung; ohne Reseller zahlt er rund die Hälfte und meldet selbst
Alex, Beratung zu 150 €Kunden sind Firmen, viele im EU-AuslandStripe direktReverse Charge, also keine fremde Umsatzsteuer; jede Plattform wäre ein Vielfaches teurer

Gumroad

Gumroad
Gut für
das erste Produkt ohne Tarifwahl
Achtung
Kartengebühr kommt zur Plattformgebühr; über den Discover-Marktplatz 30 %

Gumroad ist in allen Rechnungen die teuerste Wahl, dafür ist ein Produkt in Minuten angelegt und verkauft. Ab 20.000 $ Monatsumsatz sinkt der Satz automatisch auf 5 % + 0,50 $.

Lemon Squeezy

Lemon Squeezy
Gut für
Merchant of Record ohne Grundpreis, auch für Abos
Achtung
plus 1,5 % außerhalb der USA, plus 1,5 % bei PayPal

Bei Kunden aus Europa kostet Lemon Squeezy genauso viel wie Polar Starter. Oberhalb des Kipppunkts ist Polar Pro günstiger.

Polar

Polar
Gut für
Steuerübernahme für Kunden weltweit
Achtung
plus 1,5 % für Karten außerhalb der USA

Polar übernimmt die Steuer weltweit und nimmt neben Software auch Vorlagen und Kurse an, bei Kunden nur in der EU ist Payhip aber günstiger. Unterhalb des Kipppunkts genügt der kostenlose Starter-Tarif.

Paddle

Paddle
Gut für
Software, Lizenzen und Abos
Achtung
laut eigener Aussage für Softwarefirmen gebaut, Beratung ist ausgeschlossen

Mit allem inklusive ist Paddle der günstigste Merchant of Record im Vergleich, aber nur, wenn du Software verkaufst. Für E-Books, Vorlagen und Kurse ist Polar der passende Ersatz.

Digistore24

Digistore24-Bestellformular
Gut für
Kunden im DACH-Raum und Vertrieb über Affiliates
Achtung
10 % der Einnahmen bleiben 60 Tage als Sicherheit einbehalten

Die Gebühr liegt im oberen Feld, dafür bringt der Marktplatz Vertriebspartner mit, die sonst kein Anbieter hier vermittelt. Bei teuren Programmen sinkt der Satz auf den Teil über der Staffelgrenze.

Zum Digistore24-Review

Ablefy

Ablefy
Gut für
Kurse und Programme aus Deutschland
Achtung
Steuerübernahme nur mit dem Reseller-Zusatz

Ohne Reseller ist Ablefy bei günstigen Produkten der billigste Anbieter, die Umsatzsteuer meldest du dann aber selbst. Mit Reseller wird Ablefy Vertragspartner deiner Käufer und stellt die Rechnung, was sich bei Kurspreisen eher lohnt als bei Vorlagen.

Payhip

Payhip
Gratis
Free-Tarif dauerhaft, unbegrenzte Produkte
Gut für
EU-Umsatzsteuer abgeben zur niedrigsten Gebühr
Achtung
Stripe oder PayPal rechnen zusätzlich ab; Steuern außerhalb von EU, UK, USA und Kanada machst du selbst

Bei digitalen Produkten an Kunden in der EU und in Großbritannien tritt Payhip als Reseller auf und meldet die Steuer selbst, deshalb sind Plus und Pro in beiden Rechnungen die günstigsten Wege mit Steuerübernahme.

Podia

Podia
Gut für
Kurse und Mitgliederbereiche
Achtung
kein Gratis-Tarif, nur 14 Tage Test; Preise bei Jahreszahlung

Podia wird oft noch als Gratis-Option geführt, nach der Testphase beginnt aber der kleinste Bezahltarif. Shaker lohnt sich bei hohen Umsätzen, weil dort keine Gebühr je Verkauf anfällt.

ThriveCart

ThriveCart
Gut für
Checkout, Upsells und Kursbereich mit eigenem Stripe- oder PayPal-Konto
Achtung
seit Juli 2026 Abo statt Einmalkauf; Umsatzsteuer machst du selbst

Die früher bekannte Einmalzahlung hat ThriveCart durch ein Monatsabo ersetzt, die Preisseite selbst zeigt nur eine Anmeldemaske. Weil die Gebühr je Verkauf dort nicht öffentlich steht, fehlt ThriveCart in den Rechnungen.

Wer die Umsatzsteuer schuldet

Die Umsatzsteuer selbst kostet dich keine Marge, denn du sammelst sie beim Kunden ein und gibst sie weiter. Teuer sind die Meldungen im richtigen Land, und genau die nimmt dir ein Merchant of Record ab.

  • Merchant of Record oder Reseller: Gumroad, Lemon Squeezy, Paddle und Polar, außerdem Digistore24, Ablefy mit Zusatz und Payhip für digitale Produkte in EU und UK. Der Anbieter ist rechtlich der Verkäufer, stellt die Rechnung und meldet die Steuer im Land des Käufers.
  • Zahlungsabwickler: Stripe und PayPal, dazu Podia, ThriveCart und Ablefy ohne Zusatz. Du bleibst der Verkäufer, und Rechnung, Steuer, Meldungen und Erstattungen sind deine Aufgabe.
GrenzeWertWas beim Überschreiten passiert
Kleinunternehmer (§ 19 UStG): Umsatz im Vorjahr25.000 €Status endet zum nächsten Jahreswechsel
Kleinunternehmer (§ 19 UStG): Umsatz im laufenden Jahr100.000 €, im Gründungsjahr 25.000 €Status endet sofort, mitten im Jahr
EU-Verkäufe an Privatleute (§ 3a Abs. 5 UStG)10.000 € im Jahr, alle EU-Länder zusammenSteuer des Kundenlandes, Meldung über das OSS-Verfahren

Die zweite Grenze überrascht am häufigsten, weil sie nicht erst zum Jahreswechsel greift. Ausführlich steht das im Umsatzsteuer-Guide für Freiberufler, zur Gewerbeanmeldung und zur Steuer auf den Gewinn helfen Kleingewerbe anmelden und Regelbesteuerung. Dieser Text ist keine Steuerberatung.

Zehn Schritte bis zum ersten Verkauf

  1. Zielgruppe in einem Satz: „Ich helfe [wem] bei [welchem Problem] mit [was].“
  2. Idee prüfen: Frag zehn Leute aus der Zielgruppe, ob und zu welchem Preis sie kaufen würden.
  3. Kleinste Fassung bauen: eine Vorlage oder ein Modul statt des ganzen Kurses.
  4. Klären, ob du gewerblich bist: Der Verkauf von Vorlagen ist meist gewerblich, im Zweifel entscheidet das Finanzamt. Ablauf und Kosten: Kleingewerbe anmelden.
  5. Umsatzsteuer-Status festlegen: Wer freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, ist fünf Jahre daran gebunden.
  6. Preis festlegen: vor der Plattform, denn er entscheidet, welcher Anbieter am günstigsten ist.
  7. Plattform wählen: Soll jemand anders die Umsatzsteuer schulden, und wie viel setzt du im Monat um? Die Übersicht steht oben.
  8. Verkaufsseite schreiben: ein Versprechen, drei Belege, ein Knopf.
  9. Zehn Leute aus dem Netzwerk persönlich anschreiben: Das ist der Launch.
  10. Nach zwanzig Verkäufen nachrechnen: Passt der Tarif noch zum Umsatz?

Du verschickst Ware?

Verkäuferin verpackt eine Bestellung neben einer Kleiderstange
Bei physischer Ware gilt eine andere Gebührenlogik: Monatstarif plus Zahlungsgebühr statt Beteiligung am Umsatz. – pexels.com

Für physische Ware führt der Weg über einen Shop-Baukasten statt über eine Plattform für Downloads. Shopify passt für alles, was wächst und Kanäle anbinden muss, Ecwid für einen Shop an einer bestehenden Seite und WooCommerce, wenn ohnehin ein WordPress läuft.

Fazit

Wer Vorlagen, E-Books oder Kurse an Kunden in der EU verkauft und die Steuer abgeben will, fährt mit Payhip am günstigsten, bei Kunden weltweit mit Polar und bei Wunsch nach deutschen Rechnungen mit Ablefy samt Reseller. Für reine Beratung reicht Stripe direkt, und Gumroad lohnt nur für den schnellen ersten Test. Einen größeren Werkzeugkasten findest du bei den besten Tools für kleine Unternehmen, und Kurs-Anbieter sollten vorher die Kursplattformen nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen

Brauche ich Shopify, wenn ich nur digitale Produkte verkaufe?

Nein. Shopify ist für Lager, Versand und Retouren gebaut, und für Downloads, Vorlagen und Lizenzen reicht eine Plattform wie Lemon Squeezy oder Gumroad, die je Verkauf abrechnet und ohne Grundgebühr startet.

Was ist ein Merchant of Record?

Der Anbieter wird rechtlich zum Verkäufer deines Produkts: Er stellt die Rechnung, schuldet die Umsatzsteuer im Land des Käufers und meldet sie, du bekommst nur die Auszahlung. Gumroad, Lemon Squeezy, Paddle und Polar arbeiten so, Payhip übernimmt als Reseller die Steuer auf digitale Produkte in der EU und in Großbritannien.

Welche Plattform ist am günstigsten für digitale Produkte?

Das hängt am Produktpreis: Bei günstigen Einzelprodukten entscheidet der feste Betrag je Verkauf, bei teuren der Prozentsatz. Für Kunden in der EU übernimmt Payhip Plus oder Pro die Steuer zum niedrigsten Satz, weltweit und ohne Steuerarbeit ist Polar Pro ab mittlerem Umsatz am günstigsten. Wer die Umsatzsteuer selbst macht, kommt mit Ablefy ohne Reseller ähnlich günstig weg.

Muss ich als Kleinunternehmer Umsatzsteuer auf digitale Produkte berechnen?

Im Inland nicht, solange die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG greift, und auch EU-Auslandsverkäufe an Privatleute bleiben bis zur EU-weiten Lieferschwelle in Deutschland steuerbar. Liegst du darüber, gelten die Regeln des Kundenlandes, und dort schützt dich § 19 nicht – dann lohnt ein Merchant of Record oder Reseller.

Kann ich Kurse und Beratung über dieselbe Plattform verkaufen?

Technisch ja, wirtschaftlich selten: Kursplattformen wie Teachable rechnen auf den Verkaufspreis, Beratung läuft günstiger über Stripe direkt plus ein Terminwerkzeug. Wer beides anbietet, verkauft die Aufzeichnung über die Kursplattform und die Termine daneben.

Kann ich digitale Produkte ohne eigene Website verkaufen?

Ja. Gumroad, Lemon Squeezy, Payhip und Polar hosten Produktseite, Kasse und Auslieferung selbst, du teilst nur einen Link im Newsletter, Profil oder Beitrag.