Digitale Produkte verkaufen: Plattformen, Gebühren und Umsatzsteuer

Fastlancer Team · Aktualisiert: 23. Sept. 2026

Digitale Produkte verkaufen

Sechs Plattformen werben mit einer Zahl. Gumroad sagt 10 %, Lemon Squeezy 5 %, Paddle 5 %, Polar 5 %, Payhip 5 % im Gratis-Tarif und Ablefy 2,7 %. Vier dieser sechs Zahlen sind vergleichbar, zwei nicht — und es sind die beiden niedrigsten.

Bei Payhip fehlt die Kartenzahlung: Stripe oder PayPal rechnen mit 2,9 % plus 0,30 $ gesondert ab, aus 5 % werden damit rund 7,9 % plus 0,30 $. Und Ablefys 2,7 % gelten ohne das Reseller-Modell — wer will, dass Ablefy die Rechnung stellt und die Umsatzsteuer schuldet, zahlt 2,5 % plus 1,00 € obendrauf.

Wer die Startseiten nebeneinanderlegt, hält Ablefy und Payhip für die günstigsten Anbieter. Wer rechnet, kommt auf etwas anderes. Dieser Leitfaden rechnet: drei Umsatzgrößen, dieselben Anbieter, und am Ende die Zahl, ab der sich ein Monatstarif lohnt.

Kurz gesagt

Steuer abgeben, günstige ProduktePolar Pro
Steuer abgeben, hochpreisig aus DeutschlandAblefy mit Reseller
Umsatzsteuer machst du selbstAblefy ohne Reseller, Payhip Pro
Nur DienstleistungStripe direkt, keine Plattform

Die zwei Fragen, die alles entscheiden

Erstens: Wer schuldet die Umsatzsteuer? Verkaufst du eine PDF-Datei an eine Privatperson in Frankreich, fällt französische Umsatzsteuer an. Bei mehreren Ländern wird daraus das OSS-Verfahren, eine vierteljährliche Meldung und eine Pflicht, die dich nicht mehr loslässt.

Ein Merchant of Record nimmt dir das ab: Der Anbieter wird rechtlich zum Verkäufer, schuldet die Steuer und meldet sie. Du bekommst eine Auszahlung, keinen Steuerfall. Gumroad, Lemon Squeezy, Paddle und Polar arbeiten so — Gumroad seit dem 1. Januar 2025 weltweit, Polar in über 100 Märkten. Ablefy bietet es als kostenpflichtigen Zusatz mit deutscher Rechnung. Bei Payhip, Podia und Ablefy ohne Zusatz bist du der Verkäufer, und die Steuer ist deine.

Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern der Grund, warum Gumroads 10 % nicht unverschämt sind. Du zahlst nicht für einen Bezahlknopf, sondern dafür, dass jemand anders die Meldung abgibt.

Zweitens: Wie viel setzt du im Monat um? Prozentmodelle sind günstig, solange wenig läuft, und teuer, sobald es gut läuft. Monatstarife sind umgekehrt. Der Kipppunkt liegt niedriger, als die meisten denken.

Zu den Zahlen: Ablefy rechnet in Euro ab, alle übrigen Anbieter in Dollar. Die Tabellen vergleichen gleiche Nennbeträge — die Rangfolge hält das aus, die letzten Cent verschieben sich mit dem Kurs. Alle Gebühren am 23. September 2026 auf den Anbieterseiten geprüft.

Rechnung 1: 50 Produkte zu 29 — 1.450 Umsatz

AnbieterKostenAnteilSteuer inklusive
Ablefy Sell (ohne Reseller)91,156,3 %nein
Polar Pro95,106,6 %ja
Lemon Squeezy97,506,7 %ja
Paddle97,506,7 %ja
Polar Starter97,506,7 %ja
Payhip Plus115,057,9 %nein
Payhip Free129,558,9 %nein
Podia Shaker141,059,7 %nein
Gumroad170,0011,7 %ja
Ablefy Sell (mit Reseller)177,4012,2 %ja

Die Tabelle steht und fällt mit der letzten Spalte. Ablefy ist gleichzeitig der günstigste und der teuerste Anbieter der Liste — je nachdem, ob das Reseller-Modell dazugebucht ist. Der Aufschlag von 2,5 % plus 1,00 € schlägt bei einem 29-Euro-Produkt mit 7,7 % zu Buche.

Wer die Steuer abgeben will, zahlt bei dieser Produktgröße am wenigsten bei Polar Pro. Und Payhip Free kostet mehr als Lemon Squeezy, obwohl beide mit 5 % werben — bei Payhip rechnet Stripe getrennt ab.

Rechnung 2: 100 Kursplätze zu 199 — 19.900 Umsatz

AnbieterKostenAnteilSteuer inklusive
Ablefy Sell (ohne Reseller)614,303,1 %nein
Podia Shaker691,103,5 %nein
Payhip Pro706,103,5 %nein
Polar Pro816,204,1 %ja
Lemon Squeezy1.045,005,3 %ja
Paddle1.045,005,3 %ja
Ablefy Sell (mit Reseller)1.211,806,1 %ja
Payhip Free1.602,108,1 %nein
Gumroad2.040,0010,3 %ja

Gumroad kostet jetzt mehr als das Dreifache des günstigsten Anbieters — dieselbe Plattform, die eine Rechnung vorher nur 79 Aufschlag hatte. Und der Ablefy-Reseller wird plötzlich vertretbar: 6,1 % statt 12,2 %.

Der Grund ist der feste Anteil. 1,50 € sind bei einem 29-Euro-Produkt ein Zwanzigstel des Preises, bei 199 Euro ein Hundertstel. Das ist die Regel hinter beiden Tabellen: Bei kleinen Preisen entscheidet der Fixbetrag, bei großen der Prozentsatz. Wer günstige Einzelprodukte verkauft, sucht den niedrigen Fixbetrag; wer hochpreisig verkauft, den niedrigen Prozentsatz.

Die Kipppunkte lassen sich beziffern: Polar Pro (20 Grundpreis, 3,80 %) schlägt Lemon Squeezy ab rund 1.300 Monatsumsatz. Payhip Pro (99, 0 %) schlägt Payhip Free ab rund 1.980. Wer den Wechsel zu spät macht, verschenkt jeden Monat einen dreistelligen Betrag.

Rechnung 3: 20 Beratungen zu 150 — und warum hier keine Plattform gewinnt

3.000 aus Beratung, abgerechnet über eine Plattform:

  • Gumroad: 10 % + 0,50 × 20 = 310
  • Lemon Squeezy: 5 % + 0,50 × 20 = 160
  • Stripe direkt plus Terminwerkzeug: 2,9 % + 0,30 × 20 = 93, dazu Calendly oder TidyCal für 10 bis 16 im Monat = rund 105

Für Dienstleistungen ist der direkte Weg der billigste, und zwar deutlich. Der Grund ist derselbe wie oben, nur umgekehrt: Beratung an Geschäftskunden im Ausland läuft über das Reverse-Charge-Verfahren, du schuldest keine fremde Umsatzsteuer. Der teuerste Teil einer Plattform ist damit der, den du nicht brauchst.

Die Ausnahme: Sobald aus der Beratung ein Aufzeichnungsprodukt wird — ein Kurs, eine Vorlage, ein Mitgliederbereich —, kippt es zurück. Dann verkaufst du an Privatpersonen, und die Steuerfrage ist wieder da.

Wo der Gratis-Tarif endet

AnbieterGratisAuslöserDanach
Gumroaddauerhaft, keine Grundgebühr10 % + 0,50 je Verkauf
Lemon Squeezydauerhaft, keine Grundgebühr5 % + 0,50 je Verkauf
PolarStarter dauerhaftGebühr drückenPro 20/Mon. (3,80 %)
Payhipdauerhaft, unbegrenzte ProdukteGebühr drückenPlus 29/Mon. (2 %), Pro 99/Mon. (0 %)
Podiakein Gratis-Tarif, 14 Tage TestEnde der TestphaseMover 42/Mon. (5 %), Shaker 84/Mon. (0 %)
Ablefykein Gratis-Tarif, 14 Tage TestEnde der TestphaseSell 27/Mon. (2,7 %)

Podia wird häufig als Gratis-Option geführt. Das stimmt seit der Tarifumstellung nicht mehr — es gibt eine vierzehntägige Testphase, danach beginnt der günstigste Tarif bei 42 im Monat.

Du verschickst Ware?

Dann ist dieser Vergleich der falsche. Digitale Plattformen rechnen je Verkauf ab und kennen weder Lager noch Versandetiketten. Für physische Ware führt der Weg über einen Shop-Baukasten: Shopify für alles, was wächst und Kanäle anbinden muss, Ecwid für einen Shop, der an eine bestehende Seite angeflanscht wird, oder WooCommerce, wenn ohnehin ein WordPress läuft. Die Gebührenlogik ist dort eine andere — Monatstarif plus Zahlungsgebühr, ohne Umsatzbeteiligung.

Gemischte Fälle sind häufiger, als die Vergleiche zugeben: Wer Vorlagen digital und Bücher gedruckt verkauft, fährt oft zweigleisig und rechnet beides getrennt ab.

Was ich nehmen würde

Steuer abgeben, günstige Produkte: Polar Pro. In der 29-Euro-Rechnung der günstigste Anbieter mit Steuerübernahme, und der Abstand wächst mit dem Umsatz. Unter rund 1.300 im Monat tut es der kostenlose Starter-Tarif oder Lemon Squeezy — beide 5 % all-in, kein Grundpreis.

Steuer abgeben, hochpreisig aus Deutschland: Ablefy mit Reseller. Bei 199 je Verkauf sind die 6,1 % vertretbar, und der Anbieter stellt Rechnungen, die ein deutscher Steuerberater ohne Rückfrage akzeptiert. Bei Produkten unter 50 lohnt das nicht — dann frisst der feste Euro-Anteil den Vorteil auf.

Umsatzsteuer machst du selbst — etwa weil du nur in Deutschland verkaufst: Ablefy ohne Reseller ist in beiden Rechnungen der günstigste Anbieter überhaupt, bei höheren Umsätzen gefolgt von Payhip Pro und Podia Shaker.

Nur Dienstleistung: Stripe direkt plus ein Terminwerkzeug. Keine Plattform.

Gumroad ist in beiden Rechnungen die teuerste Wahl. Es bleibt trotzdem richtig für alle, die ein einzelnes Produkt testen wollen, ohne sich mit Tarifen zu befassen — anlegen, verkaufen, fertig. Sobald daraus ein Geschäft wird, kostet diese Bequemlichkeit zweistellig.

Wer statt digitaler Produkte einen ganzen Werkzeugkasten sucht, findet ihn im Vergleich der besten Tools für kleine Unternehmen. Und wer Kurse verkauft, sollte vorher die Kursplattformen nebeneinander legen.

Häufige Fragen

Brauche ich Shopify, wenn ich nur digitale Produkte verkaufe?

Nein. Shopify ist für Lager, Versand und Retouren gebaut — Funktionen, die bei einer PDF-Datei niemand braucht, aber im Monatstarif mitbezahlt werden. Für Downloads, Vorlagen und Lizenzen reicht eine Plattform wie Lemon Squeezy oder Gumroad, die je Verkauf abrechnet und ohne Grundgebühr startet. Shopify lohnt erst, wenn tatsächlich Ware das Haus verlässt.

Was ist ein Merchant of Record?

Der Anbieter wird rechtlich zum Verkäufer deines Produkts. Er stellt die Rechnung, schuldet die Umsatzsteuer im Land des Käufers und meldet sie — du bekommst eine Auszahlung statt eines Steuerfalls. Bei grenzüberschreitenden Verkäufen an Privatpersonen ist das der Unterschied zwischen „verkaufen“ und „OSS-Verfahren, Quartalsmeldung und Steuerberater“. Gumroad, Lemon Squeezy, Paddle und Polar arbeiten so.

Welche Plattform ist am günstigsten für digitale Produkte?

Das hängt am Produktpreis, nicht an der Plattform. Bei günstigen Einzelprodukten entscheidet der feste Betrag je Verkauf, bei hochpreisigen der Prozentsatz. Konkret: Bei 29 € je Produkt ist Polar Pro der günstigste Anbieter mit Steuerübernahme; wer die Umsatzsteuer selbst macht, fährt mit Ablefy ohne Reseller günstiger. Die Rechnungen stehen oben.

Muss ich als Kleinunternehmer Umsatzsteuer auf digitale Produkte berechnen?

Im Inland nicht, solange die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG greift. Bei Verkäufen an Privatpersonen im EU-Ausland gelten aber die Regeln des Ziellandes, und die Kleinunternehmerregelung schützt dort nicht automatisch. Wer regelmäßig ins Ausland verkauft, sollte den Fall vor dem ersten Verkauf klären — oder einen Merchant of Record nehmen, bei dem die Frage gar nicht entsteht.

Kann ich Kurse und Beratung über dieselbe Plattform verkaufen?

Technisch ja, wirtschaftlich selten sinnvoll. Kursplattformen wie Teachable rechnen auf den Verkaufspreis, Beratungstermine laufen günstiger über Stripe direkt plus ein Terminwerkzeug. Wer beides anbietet, fährt meist zweigleisig: die Aufzeichnung über die Kursplattform, den Kalender daneben.